sua-sdey aus Pnom Penh,
in Frankreich, Thailand oder China mag man vielleicht denken, es gibt keine Verkehrsregeln, aber glaubt mir mal wie geregelt da alles ist. Die einzigen Regeln, die ich hier sehe:
(1) Je mehr Motos (=Motorradroller jeder Art und Guete:)) auf einem Quadratmeter, umso besser
(2) Je doller sie stinken, umso besser.
(3) Je weniger Ausstattung (Blinker, Geschwindigkeitsanzeige, Licht ..), umso besser
(4) Blinken und Warten gibts nicht, jeder laueft, faehrt einfach drauf los. voellig gleich ob Linksabbieger und gerade ein LKW entgegengedonnert kommt.
(5) Vorfahrtsregeln gibt es zumindest in der Praxis nicht. Ausnahme: einige wenige Ampeln mit Anzeige der Gruen bzw Rotphase, da haelt komischerweise alles an.
(6) Je mehr Personen / Tiere / Kisten auf einem Moto oder Auto, umso besser. Unser guter, alter L300 faehrt hier: Innen vollbesetzt (schaetzungsweise 14), auf dem Dach nochmal 8… Motos gerne auch mit vier Personen plus…
(7) Jedes mitgenommenes Schlagloch gibt einen Extra-Punkt… Muss gute Praemien fuer die Punkte geben, sammeln tun sie naemlich alle fleissig
ich koennt ewig fortfahren… :)
aber kurzum: natuerlich musst ich auch Moto fahren. Neben Tuk-Tuk das Fortbewegungsmittel in Phnom Penh. So auch gleich vom Flughafen zum Gaestehaus mit Seeblick auf den Boeng Kak im Nordteil der Stadt.
Seit meiner Ankunft hier, bin ich mit einem Iren, Timm, unterwegs. Gestern gabs nach einem kompletten Monsunvormittag, dann doch noch das klassische Erkundungsprogramm mit Markt, Koenigspalast, Silberpagode, Spaziergang am Tonle Sap und wie noch all die anderen schoenen Sachen heissen. Zwischenzeitig dann immer wieder Moto-Fahrten und Abends dann das wohlverdiente Angkor-Bier. Bis aus Angkor-Bier Mekong-Whiskey wurde und der Wecker heute morgen einfach zu frueh alarm schlug und ich am liebsten sowohl meinen Wecker als auch meinen Brummschaedel gekillt haette..
Zum Glueck hab ich es nicht getan, denn Leid, Elend, Folter und Tod gab es heute mehr als genug. Zunaechst einen Ausflug zu den Killing-Fields ausserhalb Phnom Penhs. Hier wurden zwischen 1975 und 1979 massenhaft Hinrichtungen an Gebildeten, Resistenten, Brillentraegern (…) durch Pol Pot und seine Anhaenger durchgefuehrt. Ein grauenhafter Anblick der Massengraeber. Nach dem Pol Pot Regime wurde die Graeber geoffnet und die Schaedel in einer extra erbauten Pagode “gestapelt”. Eine Art nachtraeglich religioese Beisetzung. Diese Pagode ist heute zentraler Punkt der Killing Field und steht direkt neben den geoeffneten Massengraeber. Bei Anblick der tausenden von Schaedeln wird einem echt anders zu Mute.
Weiter ging es dann mit dem Toul Sleng / S21. Einer ehemaligen Highschool, die zu jener Zeit zur Folter- und Gefangenstelle umfunktioniert wurde. Eine Ausstellung, die nix zu verbergen versucht. Es gibt viele Fotos von gefangenen Maennern, Frauen und Kindern vor und nach Misshandlung. In einigen Zellen sind noch Blutflecken zu sehen. Grauenhaft. Nicht zuletzt die Abbildung saemtlicher Foltermethoden. Gewoehnlich endetet die Reise der Inahftierten aus der ”Security 21″ (Name der Anstalt) auf den Killing-Fields. Fuer einige auch schon frueher.
Zufaelligerwweise hab ich gestern Abend mein Longsleeve-Shirt mit dem Aufdruck S21 im Guesthouse getragen. Als wir abends in kleiner Runde sassen ist das dann “aufgefallen”, sodass ich das heute nicht angezogen habe – das Shirt kann ich hier in Kambodscha echt nicht mehr tragen. Danke Pol Pot!
Jetzt aber genug mit Schock-Nachrichten, auch wenn ich es fuer wichtig halte sich mit der Geschichte hier auseinanderzusetzen.
Momentan bin ich am Ueberlegen wie wann und wohin es weitergeht. Vermutlich werde ich Morgen noch einen entspannten Tag einschieben und mich mit meinem Buch in die Haengematte legen, den Seeblick geniessen und die Weiterreise buchen. Uebermorgen gehts dann aller Voraussicht nach in den Nordosten nach Banlung, Rattanakiri, ins Grenzgebiet zwischen Laos, Vietnam und Kambodscha, sofern die Wetterverhaeltnisse es zu lassen. Da soll es noch richtigen Urwald, alte Kulturstaemme und -doerfer, imposante Wasserfaelle und Dschungel-Treks geben… wie auch immer: ich halt Euch auf dem Laufenden!
Gruss und/oder Kuss aus Phnom Penh! Moritz
“Durch den Monsun” – das hätte es ja wirklich nicht gebraucht. Obwohl ja Pnom Penh Hotel der bessere Name wäre.
Hoffentlich gehen Dir nun wieder etwas leichter verdauliche Dinge durch Kopf und Magen (naja, durch den Magen nichts ZU leicht verdauliches).
Die Temperaturen hier sind vermutlich KB-verdächtig (30-35°), die Fenster öffnen sich nicht mehr und draußen ziehn die schwarzen Wolken auf. Drum geh ich jetzt in den Biergarten.
Möge immer ein halber Mond vor Dir versinken!
Monsun……Langweilig, ich schick dir nen Antizyklon…..
das hört sich doch nach richtig viel spaß an;)
@ Thorsten:
Ah, ich sehe du kämpfst dich durch die Mächte hinter dieser Tür…hoffentlich wirst du sie besiegen…dann wird alles gut